Hinweis

"Jagen ohne Hund is a´Schund" - oder "A Golden Retriever is do ka Jagdhund net"

Gestern machte ich wie immer meine Revierrunde in Lauterbach, Gemeinde Moorbad Harbach im Waldviertel in Begleitung meiner Golden Retriever Hündin Susi (Fine Girl Susan vom Walderkamm). Wir waren sehr spät dran, denn normaler Weise gehen wir gleich in der Früh, doch gestern schafften wir es erst zu Mittag um halb eins  nach oben in den Wald.

Beim ersten Kirrplatz angelangt sah ich, dass wir wieder Besuch von den Sauen hatten und dass alles verputzt war. Kukuruz war gleich geholt und ich begann, alles wieder anzurichten. Susi blieb wie immer und so wie sie es gewohnt ist oberhalb des Kirrplatzes sitzen. Ein bisschen Kukuruz, den Stein zum Beschweren genommen  ……. in diesem Moment sah ich rechts aus dem Augenwinkel einen Frischling, dann noch einen….ich dachte: „Manu – jetzt spinnst schon komplett, es ist halb eins Mittag! Da kommen keine Sauen!“

Ich stand da, komplett baff und gebückt, schaute nach hinten und ließ vor Schreck den Stein fallen. Die zu den Frischlingen gehörende Bache hatte mich angenommen und griff mich in vollem Tempo direkt an. Intuitiv stützte ich mich auf die neben mir befindliche Salzlecke und schaffte es, über die anstürmende Sau zu springen. Wie auch immer ich diese akrobatische Leistung schaffte, keine Ahnung, aber es hatte funktioniert. Der erste Angriff war abgewehrt. In einer Momentaufnahme, wenn ich mich so zurück erinnere, waren in diesem Augenblick zwei Überläufer mit 40-50 kg und 4-6 Frischlinge am Kirrplatz.

Im nächsten Moment jedoch schoss meine Susi von oben herab direkt auf die Bache zu und packte sie an ihrer linken Trägerseite. Laut klagend sprang die Sau in vollem Tempo ab – mit meiner verbissenen Susi an ihrer Seite – in den angrenzenden Jungwald. Na hurra! Jetzt musste ich schnellstens handeln.

Nach oben zum Auto gelaufen, natürlich in so einem Moment den Schlüssel nicht gleich gefunden, irgendwann doch. Das Gewehr genommen, geladen  und gesichert und gleich wieder hinunter zur Kirrung! Die ganze Zeit hörte ich die Sau laut klagen, dazwischen das Krachen der Äste… die Beiden lieferten sich offensichtlich einen erbitterten Kampf. Ich sah zwar an der Bewegung der Büsche, dass da etwas vor sich ging, konnte aber weder die Sau noch meinen Hund ausmachen. Es war wie in einem Krimi. Im Augenblick konnte ich meinem Hund nicht helfen, ich konnte keinen Schuss anbringen, es war unmöglich.

In meiner Angst, dass nur ja meiner Susi nichts passiert, griff ich zur Hundepfeife und gab ihr das Signal zum Kommen, um sie aus der Gefahrenzone zu bringen. Nach meinem Pfiff wurde es schlagartig kurz still, jedoch nur kurz. Wiederum das Klagen einer Sau, allerdings hörte es sich jetzt ganz anders an. Von Susi kam kein Laut. Plötzlich – ich konnte es kaum glauben – tauchte meine Susi aus dem Jungwald auf, im Fang einen Frischling, den sie nur so schüttelte. Offensichtlich hatte sie nach meinem Pfiff von der Bache abgelassen und im Retourkommen den Frischling abgefangen.

Meine Erleichterung war natürlich groß und nun nahm alles wieder seinen gewohnten Lauf. Ein Haltpfiff folgte, Susi ging Platz und ließ vom Frischling auf mein Kommando hin, ab. Dieser taumelte schwer wund nur gerade mal einige Meter weiter und in diesem Augenblick traf ihn auch schon mein angetragender Fangschuss. Alles war nun ruhig – nichts bewegte sich mehr, nur das Hecheln von Susi durchbrach die Stille  -  und mein Herz, das bis zum Hals klopfte. Nachdem ich nochmals einen prüfenden Blick rundum geworfen hatte, ob von Sauen noch etwas zu spüren war, sagte ich nur ganz leise zu meiner unter Hochspannung wartenden fermen Hündin: „Brings!“ Nun war der Retriever wieder in seinem Element. Ein Blitzstart, schon war sie beim verendeten Frischling, nahm ihn auf und beutelte ihn nochmals.  In perfekter Manier übergab mir Susi die gemeinsame Beute.

Was war im Unterholz geschehen? Susi hatte offensichtlich die Bache seitlich am Träger und knapp hinter dem Haupt so fest im Griff, dass die Sau ihre gefährlichen Waffen nicht einsetzen konnte. Zudem ist Susi eine von jenen Retrievern, die durch ihre Leichtigkeit und Schnelligkeit im Einsatz bestechen, sei es beim Apportieren und so wie hier in gefährlichen Situationen. Ein Retriever hat keine Wildschärfe, meinen viele Jäger. Eine Fehlmeinung, wie dieses Erlebnis zeigt.

Susi ist mir seit über drei Jahren eine treue und verlässliche Partnerin, täglich mit mir im Wald unterwegs und auch bei der Jagd immer dabei, geduldig, ruhig und ausdauernd. Sie bereitete mir auch schon viel Freude bei verschiedenen Bewerben und Prüfungen, aber dieses Erlebnis erfüllt mich mit noch viel mehr Stolz und vertieft meine Beziehung zu meinem Fine Girl Susan vom Walderkamm.

Ein so fermer Jagdhund, den ich besitzen und führen darf! Sie hat mich vor möglicherweise schweren Verletzungen unter kompromisslosem Einsatz ihres Lebens und Körpers beschützt, denn von einer führenden Bache angenommen zu werden ist sicher eine der schlimmsten Situationen, die man bei uns im Jagdbetrieb erleben kann.

Danke Susi!

 

Dieser Vorfall hat sich am 22. Juni 2009 zugetragen und wurde von mir sogleich schriftlich und auch fotografisch festgehalten.

Manuela Nemeth, Hirschenwies, Gemeinde Moorbad Harbach.